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Siegfried Köll: "Singen kann jeder"

Siegfried Köll spielt das "Menuett aus Arbesbach"

Siegfried Köll - Musik ist seine Leidenschaft

„Es gibt keinen Menschen, der nicht singen kann“, sagt Siegfried Köll aus Mieming, der zum Jahreswechsel seinen 70er feierte und dessen große Leidenschaft noch immer die Musik ist. Schule und Musik – zwei prägende Elemente des neunfachen Großvaters, der vier Jahrzehnte hauptberuflich als Pädagoge arbeitete und der Musik als Kapellmeister und Chorleiter diente. Siegfried Köll spielt Geige, Klarinette, Blockflöte und Harfe. Er nahm als Sportrodler an den Tiroler Meisterschaften teil, ist begeisterter Hobby-Astronom und digitalisierte gerade seine riesige Fotosammlung von mehr als 15.000 Bildern. Mieming-Plus besuchte den vitalen Pensionisten in seiner Wohnung in Obermieming, wo er mit seiner Frau Rosmarie seit 40 Jahren lebt.


Das Talent vom Vater geerbt

Vom Vater, der einen kleinen Bauernhof in Roppen bewirtschaftete, erbte Siegfried Köll das musikalische Talent. Von neun Stück Vieh und einem kleinen Stück Wald könne man auf Dauer nicht leben, befand der weitsichtige Vater von fünf Kindern und ermöglichte den Buben Sepp und Siegfried ein Studium. Beide wurden Lehrer und beide verschrieben sich auch aktiv und erfolgreich der Musik. „Die Musik hatte in meinem Lehrerberuf immer auch einen Platz“, versichert Siegfried Köll, der schon mit 12 Jahren in die Musikkapelle Roppen eintrat und dort die Es-Klarinette spielte. Die selten gespielte Es-Klarinette ist die kleinste Klarinette, daher konnte er mit den kleinen Händen schon mit acht Jahren auf diesem Instrument bei seinem Vater die ersten Spielversuche machen.


Siegfried Köll

Vom Militärmusiker in den Lehrerberuf

Nach der Volksschule in Roppen besuchte Siegfried als Gymnasiast das Leopoldinum in Hall. Beim Bundesheer wurde er Mitglied der „Militärmusik Tirol“. Damals überlegte er ernsthaft, Berufsmusiker zu werden, aber „der Lehrberuf obsiegte“. Das „militärische Leben“ passte nicht so recht zur persönlichen Zukunftsplanung. Nach der Matura besuchte er den Abiturientenkurs an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck. Die erste Anstellung als Lehrer erfolgte 1962/63 an der Hauptschule Ötz. Schon im Folgejahr wurde Siegfried Köll Schulleiter der Volksschule Huben. In der Ötztalgemeinde wurde er erstmals Kapellmeister und Chorleiter. „Früher waren es durchweg Lehrer, die als Kapellmeister, Chorleiter und Organisten das musikalische Dorfleben gestalteten“, so Köll.


Lehrer + Musiker

Hohes Niveau der Tiroler Musikausbildung

Heute sei das allerdings anders: „Kapellmeister sind heute Absolventen des Konservatoriums“, sagt Siegfried Köll rückblickend, „zu unserer Zeit gab’s das noch nicht“. Das Musikschulwesen in Tirol sorge heute auf breiter Basis für eine gewaltige Verbesserung in der Musikausbildung. „Die Anforderungen an die Kapellmeister sind gewachsen und damit auch das Ausbildungsniveau“, würdigt Köll und gesteht, er hätte sich eine Ausbildung dieser Art auch gewünscht. „Neben der fachlichen Ausbildung ist aber auch das Talent, Menschen zu führen für jeden Kapellmeister und Chorleiter eine Grundvoraussetzung“, hier sieht Siegfried Köll eine Parallele zur Lehrerausbildung.


Mieminger Sänger

Haus der Musik - gute Investition in Mieming

Ein mittelmäßiger Musiker könne deshalb sehr wohl ein sehr guter Kapellmeister sein, meint Köll. Mit Blick auf die hohen Qualitätsanforderungen in der Musikausbildung, sei das „Haus der Musik“ in Mieming bestimmt eine der besten Investitionen in die kulturelle Zukunft der Gemeinde, glaubt Siegfried Köll, der selbst nie aufgehört hat zu lernen. Im Alter von 40 Jahren lernte er noch Harfe zu spielen. Er besuchte das Konservatorium in Innsbruck, spielte Kammermusik ebenso wie Volksmusik. Mit seinem Bruder Sepp, Klaus Trenkwalder und Armin Falch gründete er die „Schulstubenmusig“.


Klarinettist Köll

Aktives Musikleben in Mieming

22 Jahre leitete Siegfried Köll die Musikkapelle Mieming, 18 Jahre den Kirchenchor und noch heute dirigiert er die „Mieminger Sänger“. Die „Mieminger Sänger“ werden seit über dreißig Jahren vom ehemaligen Bezirksschulinspektor und früheren Hauptschuldirektor aus Obermieming geleitet. Anfangs hätte er eineinhalb Jahre mit dem Hintergedanken die Mieminger Sänger geleitet, um sie für den Kirchenchor zu gewinnen, offenbart Köll aufrichtig, aber daraus wurde nichts und heute sei man eine „verschworene Gemeinschaft“, die gerne bei kirchlichen Festen singe und auch anderen Einladungen folge.


Josefs-Messe Obermieming

Mieminger Sänger

Die Geschichte der „Mieminger Sänger“ beginnt Mitte der 60er Jahre und geht auf eine Initiative der früheren Volksschullehrerin Elisabeth Rofner zurück. Sie hatte die Idee, jungen, talentierten Burschen das Tiroler Volkslied zu übermitteln. Elisabeth Rofner heiratete Anfang der 70er Jahre und verließ Mieming. Siegfried Köll übernahm die Leitung dieser jungen begeisterten Sänger. Die „Mieminger Sänger“ wollten sich niemals auf Vereinsebene organisieren, proben aber mit Ausnahme der Sommermonate regelmäßig, meistens Mittwoch.


Mieminger Sänger

Anliegen sind das "Kirchliche und die Musik"

Die „Mieminger Sänger“ sind wieder zu hören, am 23. April in der St.-Georgskirche in Obermieming zur Georgsmesse und am 9. August bei der Marienbergmesse. „Das wissen die Sänger noch nicht, aber jetzt erfahren Sie es eben aus Mieming-Plus“, sagt Siegfried Köll schmunzelnd. Im August dieses Jahres sind Rosmarie und Siegfried Köll 44 Jahre lang verheiratet, Rosmarie war früher Kindergärtnerin und unterrichtete die Minis in der Musikschule auf der Blockflöte, bevor sie gemeinsam mit ihrem Mann Siegfried im Feber 1999 in Pension ging. Beiden war und ist „das Kirchliche und die Musik“ immer ein Anliegen.


Siegfried + Rosmarie Köll

Meisterfoto vom Halleyschen Kometen

Eigentlich hätte Siegfried Köll viele Berufe ausüben können. Er war immer gerne Pädagoge, aus Leidenschaft Musiker, liebt die Mathematik, die Astronomie und die Fotografie. Während der Schule kam sogar mal der Berufswunsch zum Vermessungstechniker auf. Berühmt ist Siegfried Köll auf dem Mieminger Plateau u.a. wegen seiner über 15.000-Bilder umfassenden Fotosammlung. Viele sind aus seiner aktiven Zeit im damaligen Foto-Club Mieming enstanden. Sein "Meisterfoto" vom Halleyschen Kometen entstand am 8. März 1986 auf der heimischen Terrasse. Die Fotografie wurde im Wiener Planetarium ausgestellt.


Der Halleysche Komet

Zum Abschied das "Menuett aus Arbesbach"

Die Zeit vergeht bei den Kölls wie im Fluge. Es gäbe noch so viel zu erzählen. Wir möchten doch bitte vielleicht noch erwähnen, dass es einen geselligen Volkstanzabend im Rahmen der 40-Jahr-Feier der Hauptschule Mieming am Samstag, dem 9. Mai gibt, sagt Rosmarie Köll, während sich Siegfried an die Harfe setzt und zur Verabschiedung noch das „Menuett aus Arbesbach“ spielt, eine alte Volksweise, die in Arbesbach, einem kleinen Ort im niederösterreichischen Waldviertel entstanden ist. Ein beeindruckender Vormittag im Hause Köll geht damit zu Ende.


Siegfried Köll

Quicklinks

Mieminger Sänger



Fotostrecke: Siegfried Köll, Mieming

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Fotos und Beitrag: Knut Kuckel, Mieming-Plus, eMail: info@mieming-plus.at


Menschen vom Mieminger Plateau
Karl Spielmann, Mieming - 80 Jahre